EU Pavilion on EXPO 2000 Hannover

S o u n d s c a p e E U R O P A H A U S - EXPO 2000 Hannover 1.6. - 31.10.2000

Komponist und Medienkünstler Thomas Gerwin hat den europäischen Pavillon auf der EXPO2000 Hannover mit neuen Medien musikalisch gestaltet. Die Gesamtkonzeption besteht aus zwölf "Klangklimata" und neun, teils interaktiven audiovisuellen Objekt-Installationen.

"Space Experience"
12 Klangklimata

Sie machen den gesamten Pavillon zu einem begehbaren Musikstück. Die Besucher befinden sich innerhalb eines grossen Klangakkordes und bestimmen durch ihre Bewegungen selbst den Fortgang und die Geschwindigkeit der Veränderungen. Sie werden am Eingang (1. Hello) begrüsst in den elf offiziellen europäischen Sprachen und begeben sich direkt in die PreShow (2. Fifties). Die Time Shuttles laden durch akustische und optische Signale (3. Boarding Zone) zum Betreten ein. Nach der Fahrt geht es weiter zur (4.) "Euro-Disc", die das Publikum nach oben in den "Galaxy Walk" befördert. Dort erleben sie zunächst die ca. 3,5 minütige "Blue Planet Show" mit einer Komposition für 6 Plasma-Schirme und 22 programmierbare Dia-Schaukästen. Im oberen Stockwerk bewegen sich die Besucher dann nach und nach durch verschiedene, sich teilweise vermischende Klangklimata (5. Blue Planet, 6. Bridge, 7. Satellit, 8. Space) und tauchen dann durch den gelben Eingang vom (9.) "Star" ein den (10.) "Tunnel der Reflexionen". Von dort geht es weiter in die (11.) "PostShow". An der Tür rundet sich dann der musikalisch-akustische Reigen, indem die Besucher in allen elf EU-Sprachen (12. Bye-bye) wieder verabschiedet werden.


"European Sound Atlas", 2000
Interaktive Klang-Licht-Installation am "Blue Planet" im 1. OG

Der Klang der Umwelt beeinflußt unsere Wahrnehmung auf einer tiefgründigen, grossenteils unbewussten Ebene; er ermöglicht Orientierung und gibt aktuelle, überlebenswichtige Informationen, warnt, beruhigt oder erzählt Geschichten.
Neben diesen Funktionen kann er aber auch eine ganz eigene ästhetische Qualität besitzen. Jeder Ort hat durch seine Topographie, sein Wetter, durch Architektur, auch durch Sprache und Temperament der dort lebenden Menschen, etc. einen spezifischen Eigenklang und vermittelt ein ganz besonderes Lebensgefühl.
Abrufbar durch zehn besonders zu diesem Zweck gestaltete, interaktive Kopfhörer können die Besucher eintauchen in die zu kleinen "Hörstücken" verarbeiteten Klanglandschaften (Sound- scapes) der Hauptstädte sowie einem zusätzlich ausgewählten anderen Ort der Mitgliedsstaaten der europäischen Union.

Der EUROPEAN SOUND ATLAS gehört in die Werkgruppe "Über akustische Ökologie". Er "möchte sensibel machen für die Schönheit und den Reichtum, aber auch für die Verletzlichkeit unserer akustischen Umwelt und dazu ermutigen, sie verantwortungsvoll und kreativ selbst mitzugestalten".

Jeder Kopfhörer hält drei ausgewählte Orte bereit und zusätzlich den "Europa-Klang". Das auf der Glasplatte angebrachte, jeweils zugehörige Piktogramm zeigt die Europakarte mit drei verschiedenfarbigen Punkten, die sich auf dem Abspielknöpfen an den Kopfhörern wiederfinden und so eine Zuordnung der Klanglandschaften zu den Orten ermöglichen. Die kleinen Klangportraits dauert zwischen 10 und 30 Sekunden, sie können auch gleichzeitig abgespielt und gemischt werden.

"Portholes"

Im "Tunnel der Reflexionen" befinden sich acht teils interaktive MedienInstallationen, die zu Themen künstlerische Kommentare abgeben, die die EU international beschäftigen.
Es sind dies im einzelnen in den grossen "Portholes" links:

1. Cultural Heritage
Man sieht in einem Kasten ein Modell des schiefen Turms von Pisa, der dort bedenkliche Schräglage hat. Am Kasten außen ist ein Griff angebracht. Wenn man diesen mit Karaft und mehrmals hineinschiebt pumpt man etwas unter den Turm, sodaß sich seine Haltung stark verbessert. Leider aber kippt der Turm wieder, sobald man mit diesen Bemühungen aufhört.

2. Heating of the Planet
Man sieht ein kleines Treibhaus mit Dampf darin, der aus einer großen Spraydose hineindringt. Vor dem Treibhaus befindet ein großer Knopf mit der Aufschrift STOPP. Wenn man diesen drückt, verschwindet der Nebel langsam und man sieht eine sich langsam drehende Weltkugel. Sobald die Taste losgelassen wird, beginnt die Spraydose wieder zu blasen. Das heisst, man muss in einem längeren Prozess und unablässig gegen den Treibhaus-Effekt arbeiten. Mit einem kleinen Knopfdruck ist es noch nicht getan.

3. Humanitarian Aid
Nachdem man das Porthole betreten hat, befindet man sich in einem Flüchtlingszelt der durch die EU geförderten Organisation ECHO und DRK mit 2Schlafpritschen und verschiedenen "Care-Paketen", in die man zum Teil hineinsehen kann.

In den kleinen "Portholes" rechts:

4. Fish/Water Pollution
Man von schaut von oben auf einen gedeckten Tisch mit großem Teller, Messer und Gabel, Glas. Unter dem Teller ist liegend ein Monitor angebracht, dessen Bilder man in der Mitte des Tellers sieht. Auf dem Bildschirm ist eine Vielfalt von Fischen (gemorpht) zu sehen, die schnell dezimiert werden.

5. Education
Das Porthole zeigt ein mehrseitiges großes Buch. Auf den ersten Seiten sieht man nur sinnlose Buchstabenkolonnen, etwa so, wie ein Analphabet Geschriebenes wahrnehmen mag. Indem man weiterblättert, formieren sich die Buchstaben mehr und mehr zu einem sinnvollen Satz (von Grundtvig) in vier Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch)

6. Air Pollution
Das Porthole zeigt ein bewegtes Bild einer Fabrik mit rauchendem Schornstein, dazu riecht man Lavendelduft.

7. Noise Pollution
Das Porthole zeigt einen schwarzen Kasten mit kleiner UV-bestrahlten Leuchtschrift "Silence" an der Rückwand. Beim Hineinstecken des Kopfes durch eine(n) BesucherIn hört man den Klang eines startenden Autos, der sich im Entfernen in Vogelzwitschern verwandelt .

8. Racism
Man sieht an der Rückwand der Box ein Poster, welches links pflanzliche Monokulturen in schwarz-weiss im Kontrast zu dem farbigen Bild einer Mischkultur zeigt. Dazu in vier Sprachen "Gegen Rassismus".