GG Piano Electronic Performance
Thomas Gerwin (Live-Elektronik) / Ulli Götte (Konzertflügel)
In diesem dreiteiligen Konzert wird der gespielte oder geräuschhaft erzeugte Klavier-Klang mit Labtop und Sampler live elektronisch bearbeitet und von vorproduzierten Klängen ergänzt. Teilweise fungiert der Konzertflügel auch als Perkussionsinstrument oder als Schall-Transducer. Der Berliner Komponist und Klangkünstler Thomas Gerwin und der Kasseler Komponist und Pianist Ulli Götte haben für dieses Projekt jeweils eine neue Komposition entwickelt; den dritten Teil bildet eine gemeinsame Improvisation.
- Ulli Götte
"Skulptur A" für Flügel und Live-Elektronik (2007) - Uraufführung
"Skulptur A" ist das erste Produkt einer neuen Kompositionstechnik Göttes: ein Stück Musik entstehen zu lassen wie eine räumliche
Skulptur. Ein räumlich-zeitlicher Cluster steht am Beginn der Komposition; durch systematisches "Herausmeisseln" einzelner Töne wird
die Musik immer transparenter, bis zum Schluss das vorab geplante Klangresultat entsteht und erklingt. Eine möglicherweise pionierhaftes
Verfahren zeitlicher Umsetzung einer jahrtausendalten rein räumlich realisierten Kunstidee. Live gespielte Klaviertöne ergänzen den unerbittlichen
Reduktionsprozess, der mittels elektronische Filter klangliche Variationen erfährt.
Dauer: ca. 20 Minuten
- Thomas Gerwin
"Klangschattengewächse" (2007) - Uraufführung
für Piano und Live-Elektronik (Labtop, Sampler, Zuspiel-CD, Keyboard, Mischpult) mit vier Lautsprechern
Diese Komposition basiert auf einer graphischen Partitur. Die Grundideen sind die Entstehung eines "Alter Ego" des Klaviers sowie eine langsame
Ausbreitung des Klanges in den Raum. Die kompositorische Struktur besteht aus sechs Schichten. SpielerIn A spielt ausschließlich im Flügelinneren.
Seine/Ihre Aktionen sind gegliedert in die Kategorien:
"Gestimmtes Tonmaterial mit und ohne Pedal" - dies wird hauptsächlich mit den Saiten erzeugt
"Metallklänge" - (oft auch geräuschhafte) Klänge, die mit metallenen Teilen des Konzertflügels erzeugt werden können wie z.B. Rahmen, Schrauben,
Gewinde sowie natürlich auch den Saiten und
"Holz- und Streicherklänge" - Klänge, die mit Holzteilen des Flügels erzeugt werden können oder durch Zuhilfenahme eines Cellobogens - oder dessen Haaren.
Die Stimme der Live-Elektronik besteht ebenfalls aus drei Schichten:
"Klavierklänge" - eine aus vorher aufgenommenen Klavierklängen komponierte Schicht, die vom Laptop kommt und live kontrolliert wird,
"Steinklänge" - mit dem Keyboard ad hoc gespielte und bearbeitete Soundfiles aus Gerwins "Steininstrumentarium" sowie
"Soundscapes" - speziell für dieses Stück komponierte Klangumgebungen vom CD-Player.
Dies alles wird quadrophon im Raum inszeniert. Der Flügel klingt zunächst einfach "en nature" an seinem Ort. Die Soundscapes umgeben den
Flügel und hüllen ihn ein. Die beiden anderen Schichten der Live-Elektronik sind auf die Boxenpaare verteilt, die das Publikum umgeben. Das "Alter Ego"
des Flügels kommt von den direkt gegenüber stehenden Boxe von hinten. Die Steinklänge changieren in den Boxenpaaren rechts vorne/rechts hinten und links
vorne/links hinten. Zusätzlich zum Naturklang wird der Flügel mit einem Mikrophon abgenommen und erscheint vereinzelt (!) auch als amplifizierte Entität an
anderen Orten im virtuellen Raum.
Dauer ca. 17 Minuten, quadrophon.
- Gerwin/Götte
"GGPianoElectroPiece" (2007)
Die Grundidee für dieses Stück ist eine Closed Circuit-Situation. Die Live-Manipulation von live gespielten Flügel-Klängen und -Strukturen
werden live manipuliert; die veränderten Sounds werden wieder eingespielt und dadurch wiederum Auslöser für musikalische Aktionen.
Das Ganze beginnt mit einem einzigen Klavierton, dem Kammerton "a". Dessen Bearbeitung wird ein anderer Sound hinzugefügt, der wiederum in
bearbeiteter Form zurückkehrt und weiter angereichert wird etc. Auf diese Weise entstehen "Familien" von Klängen, Klangkonglomerate, die
von einem Ausgangspunkt stammen. Die gesamte Entwicklung wird einerseits nachvollziehbar, birgt aber andereseits strukturelle und spontan entstehende "Erschütterungen".
Dauer ca. 20 Minuten